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Hochschulsystem

Historischer Abriss ab 1989

Bildungspolitische Neuorientierung ab 1989

Der 1989 vollzogene Systemwechsel bedeutete die Abkehr von sozialistischen Werten und Strukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen und damit auch im Hochschulwesen. Die Dritte Republik verfolgte das Ziel, das Bildungsniveau der Bevölkerung zu erhöhen und das Bildungsangebot allgemein auszuweiten. Die Etablierung demokratischer Strukturen im Hochschulbereich machte neue rechtliche Rahmenbedingungen notwendig, die im Hochschulgesetz von 1990 festgelegt wurden. Durch dieses Gesetz wurde das Prinzip der Freiheit von Forschung und Lehre eingeführt und den Hochschulen ihre institutionelle Autonomie zurückgegeben. Zudem ermöglichte das Gesetz die Gründung privater Hochschulen. Anfang der Neunziger kam es zu einer Gründungswelle von Berufshochschulen und nichtstaatlichen Hochschulen. 1992 gab es in Polen nur zwölf, 2009 indessen bereits 325 nichtstaatliche Hochschulen. Schließlich wurden in der neu entstandenen Republik bildungspolitische Maßnahmen zur Aufwertung der Hochschulen als Forschungseinrichtungen eingeleitet. Die Hochschulen orientierten sich von nun an stärker an dem Humboldtschen Ideal der Einheit von Lehre und Forschung.

Mehr Informationen unter: www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen30.pdf



Bildungsexpansion in den 90er Jahren

Ziel der neuen Hochschulpolitik Anfang der neunziger Jahre war es, die Zahl der Studienanfänger, Studierenden sowie Hochschulabsolventen deutlich zu erhöhen. In der Tat entwickelten sich die ehemals sozialistischen Eliteuniversitäten zu Massenuniversitäten. Die Zahl der Hochschulen stieg von 112 (1990/1991) auf 456 (2008/2009) Hochschulen, von denen die meisten neu gegründete private Hochschulen sind. Der Anteil der Studierenden der Alterskohorte der 19- bis 24-Jährigen lag 1990/1991 lediglich bei 9,8 Prozent. Im Studienjahr 2008/2009 studierten hingegen 40,6 Prozent dieser Altersgruppe an einer Hochschule.

Mehr Informationen unter: www.laender-analysen.de/polen/pdf/PolenAnalysen30.pdf



Zunehmende Verflechtung mit europäischen Strukturen

Bereits in den neunziger Jahren, d.h. lange bevor Polen Mitglied der EU wurde (2004), begann die Heranführung des polnischen Hochschulwesens an die europäischen Bildungs- und Forschungsprogramme: Polen wurde in EU-Förderprogramme wie TEMPUS (1990), SOKRATES-ERASMUS (1998) und das Forschungsrahmenprogramm (1999) aufgenommen. Die Kooperationen mit weiteren europäischen Hochschulen intensivierten und erweiterten sich. Ein Beispiel hierfür ist die Kooperation zwischen der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań/Posen. Außerdem wurden an polnischen Hochschulen erste Zentren für "Europäische Studien" eingerichtet – darunter das 1991 gegründete Europa-Zentrum in Warschau und das 1999 entstandene Zentrum für Europa-Studien an der Jagiellonen-Universität in Krakau.

Schon vor dem formalen Beginn des Bologna-Prozesses 1998 begannen die polnischen Hochschulen damit, ihre Studiengänge zu reformieren. Sukzessive wurde der einheitliche fünfjährige Magisterstudiengang in Bachelor- und Masterstudiengänge transformiert. Es hat sich dabei überwiegend das Modell von drei plus zwei Studienjahren mit 180 bzw. 120 ECTS-Punkten durchgesetzt, welches erst seit dem WS 2007/2008 verpflichtend ist. Die Bachelorstudiengänge schließen in Polen mit dem Licencjat oder dem Inżynier, die Masterstudiengänge mit dem Magister ab. Weiterhin einstufig bleiben Studiengänge mit Staatsexamen, d.h. Pharmazie, Medizin, Psychologie, Veterinärmedizin, Zahnmedizin und Jura. Im Gegensatz zu Deutschland existieren an polnischen Hochschulen keine Quoten für die Zulassung zum Masterstudium. Beim Übergang in den Master entscheiden sich polnische Studierende selten für einen Wechsel des Studienfaches. Zudem wechseln sie während ihres gesamten Studiums nur in seltenen Fällen die Hochschule oder den Studienort.

Die Beteiligung polnischer Studierender an den europäischen Mobilitätsprogrammen ist gering: Im Hochschuljahr 2006/2007 waren lediglich 0,6 % aller polnischen Studierenden im Rahmen von SOKRATES/ERASMUS mobil. In Deutschland gehen doppelt so viele Studierende im Rahmen von ERASMUS an europäischen Partneruniversitäten. Deutschland ist für polnische Studierende im Rahmen von SOKRATES-ERASMUS das beliebteste Zielland. Im Studienjahr 2007/2008 studierten 2.466 polnische Studierende im Rahmen von ERASMUS an deutschen Hochschulen. Ca. 2 % aller am Programm SOKRATES-ERASMUS teilnehmenden Studierenden entschieden sich 2007/2008 für einen Studienaufenthalt in Polen. Darunter waren 660 deutsche Studierende, die sich für das Nachbarland jenseits der Oder entschieden. Damit zählt Deutschland neben der Türkei und Spanien zu den in Polen am stärksten vertretenen Herkunftsländern von Erasmusstudierenden.

Mehr Informationen unter:
www.euv-frankfurt-o.de
http://ec.europa.eu/education/higher-education/doc/eurydice09_en.pdf
http://ec.europa.eu/education/programmes/llp/erasmus/stat_en.html



Geplante Reform des Hochschulwesens 2009/10

Im Bewusstsein, dass Polen auf dem Weg zu einer wissensbasierten Gesellschaft noch zahlreiche Hürden überwinden muss, hat die Regierung des Ministerpräsidenten Tusk im Oktober 2009 ein Gesetzespaket zur umfassenden Reform des Hochschulwesens in den Sejm (polnisches Parlament) eingebracht. Die Reform, die ab dem WS 2011/2012 umgesetzt werden soll, hat sich zum Ziel gesetzt, neue Leitlinien für die Bereiche der Hochschulsteuerung, der wissenschaftlichen Karriere sowie der Hochschulausbildung zu entwickeln, welche das gesamte polnische Hochschulwesen effektiver, dynamischer, anwendungsorientierter und international konkurrenzfähiger machen soll.

Mehr Informationen unter: www.nauka.gov.pl/szkolnictwo-wyzsze/reforma-szkolnictwa-wyzszego




Das hochschulpolitische System

Rechtlicher und organisatorischer Rahmen

Die polnische Hochschulpolitik wird von zentraler Ebene aus gesteuert. Die Wojewodschaften sind im Unterschied zu den deutschen Bundesländern reine Verwaltungsbezirke ohne nennenswerte hochschulpolitische Kompetenzen. Rechtsgrundlage für das polnische Hochschulsystem für wesentliche Bereiche ist das Hochschulgesetz von 2005. Zurzeit befindet sich ein Gesetzespaket zu einer grundlegenden Reform des Hochschulwesens im Gesetzgebungsverfahren. (siehe Geplante Reform des Hochschulwesens 2009/2010)

Mehr Informationen unter: www.kooperationinternational.de/polen/themes/info/detail/data/27656



Organe der Hochschulverwaltung

Für die Gestaltung der Hochschulpolitik ist in Polen das seit 2006 existierende Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (Ministerstwo Nauki i Szolnictwa Wyższego - MNiSW), unter Leitung von Prof. Barbara Kudrycka zuständig. Das Ministerium hat die Finanzaufsicht für die Hochschulen und Forschungseinrichtungen, übt die Kontrollaufsicht über die genannten Einrichtungen aus, wacht über die Einhaltung von Qualitätsstandards, koordiniert Projekte, die aus den Strukturfonds der EU finanziert werden, konzipiert Strategien zu Grundfragen des Hochschulsystems und erlässt Verordnungen, die das Hochschul- und Forschungswesen betreffen.

Für die Mehrheit der staatlichen Hochschulen in Polen ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen zuständig (2007: 95). Einige staatliche Hochschulen sind jedoch anderen Ministerien zugeordnet: dem Ministerium für Kultur und nationales Erbe (2007: 18) – darunter Kunst-, Musik- und Theaterakademien – , dem Ministerium für Gesundheit (2007: 10) – darunter Medizinische Akademien – , dem Ministerium für Verteidigung (2007: 5) – darunter Militärakademie für Technik – , dem Ministerium für Infrastruktur (2007: 2) – darunter Hochschulen für die Seefahrt – und dem Ministerium für Inneres und Verwaltung (2007: 2) – darunter eine Polizeihochschule und eine Feuerwehrhochschule.

2002 wurde die staatliche Akkreditierungskommission (Państwowa Komisja Akredytacyjna - PKA) zur Sicherung der Qualität der Hochschullehre in Polen gegründet. Die Kommission ist für die Evaluation und Akkreditierung von Studiengängen zuständig. Bei den Evaluationen handelt es sich im Kern um Selbstevaluationen der Hochschulen, die von der PKA lediglich überprüft werden. Die PKA ist seit 2009 volles Mitglied der ENQA (European Association for Quality Assurance in Higher Education).

Mehr Informationen unter:
www.nauka.gov.pl
www.pka.edu.pl




Selbstverwatlung und Repräsentation

Gremien und Ämter in staatlichen Hochschulen

 Selbstverwaltung Hs

Polnische staatliche Hochschulen haben ähnliche Strukturen wie deutsche Hochschulen. Eine polnische staatliche Hochschule besteht in der Regel aus Fakultäten, Instituten und Lehrstühlen. Der Senat stellt als demokratisch gewähltes Kollegialorgan das oberste Gremium der Hochschule dar. In ihm sind Hochschullehrer, Doktoranden, Studierende und weiteres nichtlehrendes Personal vertreten. Der Senat legt die Struktur der Hochschule und die allgemeinen Tätigkeitsfelder der Hochschule fest und verabschiedet den Finanzplan. Er wählt den Rektor, der die Hochschule nach außen hin repräsentiert und die Aufsicht über Forschung und Lehre hat sowie für den Finanzhaushalt verantwortlich ist. Der Rektor wiederum ernennt den Kanzler, der die Hochschuladministration leitet und den Finanzhaushalt der Hochschule verwaltet. Der Rektor wird in seiner Tätigkeit häufig durch die ebenfalls vom Senat gewählten Prorektoren unterstützt.

Auf Fakultätsebene wird der Fakultätsrat als Repräsentationsorgan gewählt. Er legt die Tätigkeitsfelder, das Lehrangebot und die Studien- und Promotionsprogramme fest. Vom Fakultätsrat wird der Dekan gewählt, der den Fakultätshaushalt verwaltet und die Aufsicht über den ordnungsgemäßen Verlauf der Studien- und Promotionsprogramme hat. Dem Dekan werden zudem häufig von dem Fakultätsrat gewählte Prodekane zur Seite gestellt. Schließlich existiert sowohl auf der Hochschul- als auch auf der Fakultätsebene eine studentische Selbstverwaltung, die sich für die Belange der Studierenden einsetzt.

Auflistung der Gremien und Ämter und ihrer Zuständigkeiten: hier

Mehr Informationen unter: www.bip.nauka.gov.pl/_gAllery/15/36/1536/20050727_prawo_o_szkolnictwie_wyzszym.pdf


 

Beratungsorgane und Interessenvertretungen

Wichtigstes Beratungsorgan im Hochschulwesen ist der Hauptrat für das Hochschulwesen (Rada Główna Szkolnictwa Wyższego - RGSW). Der Rat vertritt das Hochschulpersonal und die Studierendenschaften gegenüber dem Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen in Fragen der Festlegung von Standards für die Hochschulbildung, der Finanzierung des Hochschulwesens und der Ausgestaltung von Studiengängen.

Die Hochschulen vertreten ihre Belange im Rahmen von Rektorenkonferenzen. Die bedeutendste Rektorenkonferenz Polens ist die Konferenz der Rektoren der polnischen Hochschulen mit Habilitationsrecht (Konferencja Rektorów Akademickich Szkół Polskich - KRASP). Zu den Aufgaben der KRASP gehört die allgemeine Vertretung der Hochschulen (mit Habilitationsrecht), die Entwicklung von Konzepten zur Weiterentwicklung des polnischen Hochschulwesens und die Wahrnehmung der Interessen der Hochschulen, in nationalen und internationalen Vereinigungen.

Neben der KRASP gibt es eine Reihe weiterer Rektorenkonferenzen:

  • Konferenz der Rektoren der Wirtschaftshochschulen (Konferencja Rektorów Uczelni Ekonomicznych - KRUE)
  • Konferenz der Rektoren der Technischen Hochschulen (Konferencja Rektorów Polskich Uzelni Technicznych - KRPUT)
  • Konferenz der Rektoren der staatlichen Berufshochschulen (Konferencja Rektorów Publicznych Skół Zawodowych - KRePSZ)
  • Konferenz der Rektoren der Berufshochschulen (Konferencja Rektorów Zawodowcch Skół Polskich - KRZaSP)

Mehr Informationen unter:
www.krasp.org.pl
www.nauka.gov.pl/szkolnictwo-wyzsze/rada-glowna-szkolnictwa-wyzszego




Hochschultypen

Hochschultypen

In Polen gibt es insgesamt 131 staatliche und 325 nichtstaatliche, darunter 311 private und 14 kirchliche Hochschulen (2009). Unter den kirchlichen Hochschulen sind sechs katholische Hochschulen, die wie staatliche Hochschulen finanziert werden. Bei den nichtstaatlichen Hochschulen handelt es sich meist um kleinere Einrichtungen, die ihren Schwerpunkt in der Lehre haben. Häufig bieten sie nur Bachelor-Studiengänge an (in der Hauptsache westliche Fremdsprachen und Wirtschaftswissenschaften). 34% der insgesamt 1,93 Millionen Studierenden (2009) in Polen studieren an privaten Hochschulen. Damit ist Polen OECD-Spitzenreiter, gefolgt von den USA mit 26% (2008) und Portugal mit 25% (2008). In Deutschland studieren hingegen weniger als 1% der Studierenden an privaten Einrichtungen (2008).

In Polen unterscheidet man unterschiedliche Hochschultypen: Die Mehrheit der polnischen Studierenden studiert an Volluniversitäten (2007: 28% aller Studierenden). Zudem studiert eine große Zahl der Studierenden an Wirtschaftshochschulen (2007: 21%) und Technischen Hochschulen (2007: 16%). Ca. 13% der Studierenden studieren an Berufshochschulen. Darüber hinaus studieren ca. 6% an Pädagogischen Hochschulen, ca. 5% an Hochschulen für Umwelt- und Lebenswissenschaften und ca. 3% an Medizinischen Hochschulen. Der restliche Teil der Studierenden (ca. 8%) studiert an Hochschulen für Seefahrt, Sportakademien, Kunsthochschulen, theologischen Hochschulen, Hochschulen des Verteidigungs- und des Innenministeriums sowie an kleinen Privathochschulen.

Liste polnischer Hochschulen: www.nauka.gov.pl/higher-education/higher-schools-in-poland

Mehr Informationen unter: http://ptbk.mol.uj.edu.pl/download/aktualnosci/akt.diagnoza.pdf



Regionale Verteilung der Hochschulen

Die meisten Hochschulen befinden sich in Masowien (Hauptstadt: Warschau) (2008: 23% aller Hochschulen) und in Schlesien (Hauptstadt: Kattowitz) (2008: 10% aller Hochschulen). In Masowien (15% aller Studierenden) und in Kleinpolen (Hauptstadt: Krakau) (11% aller Studierenden) studieren die meisten polnischen Studierenden. Generell findet man Hochschulen v.a. in den Städten, wenngleich in den letzten Jahrzehnten auch in ländlichen Regionen eine Reihe von kleineren privaten Hochschulen gegründet wurden. Gleichwohl ist die Zahl der Hochschulen und Studierenden in den Grenzregionen im Nordosten, Westen und Südwesten des Landes gering.

Grafik zur regionalen Verteilung der Hochschulen: hier

Mehr Informationen unter: www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/PUBL_E_szkoly_wyzsze_2008.pdf




Studienorganisation

Studiengänge und Abschlüsse

Studiengaenge Abschluesse 

Voraussetzung für die Zulassung zu einem Hochschulstudium ist das Abitur (polnisch: Matura), das seit 2005 in Polen durch zentrale Prüfung abgelegt wird. Einen ersten Abschluss erhalten die polnischen Studierenden nach drei bis vier Jahren: das Lizenziat bzw. den Ingenieurtitel, die dem Bachelor entsprechen. In der Folge können sich die Studierenden für ein zwei bis zweieinhalb Jahre langes Magisterstudium einschreiben, das mit dem Titel Magister abschließt, der dem Master gleichzusetzen ist. Für den Übergang vom Bachelor- in das Masterstudium existieren keine Quotierungen. Weiterhin einstufig sind die fünf- bis sechsjährigen Magisterstudiengänge in den Fächern Pharmazie, Medizin, Psychologie, Veterinärmedizin, Zahnmedizin und Jura. Nach dem Erhalt des Magisters können sich die Hochschulabsolventen für ein drei bis vierjähriges Promotionsstudium entscheiden. Außerdem werden sowohl für Inhaber des Lizenziats- und Ingenieurtitels als auch des Magistertitels verschiedene postgraduale Studien angeboten.

Mehr Informationen unter: www.studyinpoland.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=25&Itemid=73



Belegung einzelner Studienrichtungen

Zu den beliebtesten Studiengängen in Polen zählen die Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften (2008: 23% der Studierenden), die Gesellschaftswissenschaften (2008: 14% der Studierenden) und die Erziehungswissenschaften (2008: 12% der Studierenden). Geisteswissenschaften studieren in Polen ca. 9%, Medizin ca. 6% und Jura ca. 3% aller Studierenden (2008).

Grafik zu den Studierendenzahlen in den einzelnen Studienrichtungen: hier

Mehr Informationen unter: www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/PUBL_E_szkoly_wyzsze_2008.pdf



Wochenend-, Abend- und Fernstudium

In Polen studieren nur 49% der Studierenden im Präsenzstudium an den Hochschulen (2009). 51% der Studierenden belegen hingegen ein kostenpflichtiges Abend-, Wochenend- oder Fernstudium. Besonders an nichtstaatlichen Hochschulen sind diese alternativen Studienformen sehr verbreitet. Aber auch an den staatlichen Hochschulen ist ein Drittel der Studierenden im Abend-, Wochenend- oder Fernstudium eingeschrieben (2009). Für die staatlichen Hochschulen, an denen für das Präsenzstudium keine Studiengebühren erhoben werden dürfen, stellen die Gebühren für das Abend-, Wochenend- und Fernstudium eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle dar. Allerdings muss gewährleistet bleiben, dass mindestens die Hälfte der Studierenden an der Hochschule im Präsenzstudium studieren kann.

Mehr Informationen unter: http://ptbk.mol.uj.edu.pl/download/aktualnosci/akt.diagnoza.pdf




Finanzierung des Hochschulwesens

Allgemeines zur Finanzierung

In Polen werden etwa 1,4% des BIP für das Hochschulwesen ausgegeben (2006). Polen liegt damit im OECD-Durchschnitt. Dies wird allerdings dadurch relativiert, dass das Land insgesamt ein niedrigeres BIP aufweist, das nicht einmal die Hälfte des deutschen beträgt. Zur Finanzierung des Hochschulwesens kommen 1,0 % des BIP (2006) aus staatlichen, 0,4% (2006) aus privaten Quellen. Der Anteil der Privatausgaben (30%) an den Gesamtausgaben ist im Vergleich zu anderen EU-Staaten hoch. Betrachtet man die absoluten Zahlen, so wurden 2009 umgerechnet 2,4 Milliarden Euro in das Hochschulwesen investiert. Für die staatlichen Hochschulen existieren drei wesentliche Einnahmequellen: 65-70% staatliche Finanzierung, 20% Studiengebühren, 10-15% externe Quellen wie Forschungsaufträge oder Dienstleistungen. Bei den staatlichen Geldern für die Hochschulen handelt es sich um Finanzausstattung für die Lehre, die Studierenden, die Forschung sowie spezielle Fördergelder z.B. zur Verbesserung der Infrastruktur. Die nichtstaatlichen Hochschulen finanzieren sich hingegen fast ausschließlich über Studiengebühren.

Grafik zu privaten und staatlichen Ausgaben für das Hochschulwesen 2006 (% des BIP): hier

Mehr Informationen unter: http://ptbk.mol.uj.edu.pl/download/aktualnosci/akt.diagnoza.pdf



Studiengebühren

Laut Artikel 70, Abs. 2 der polnischen Verfassung ist das Studium an staatlichen Hochschulen kostenlos. Allerdings haben die staatlichen Hochschulen die Möglichkeit für Wochenend-, Abend- und Fernstudium Gebühren zu erheben (siehe: Wochenend-, Abend- und Fernstudium) Insgesamt zahlen in Polen 58% der Studierenden für ihr Studium - entweder für ein Studium an einer nichtstaatlichen Hochschule oder für ein Wochenend-, Abend- oder Fernstudium (2009). Die Studiengebühren betragen in Abhängigkeit vom Fach umgerechnet zwischen 250 und 4.500 Euro im Jahr. Im Fach Medizin werden die höchsten Gebühren erhoben.

Weitere Informationen auf: http://ptbk.mol.uj.edu.pl/download/aktualnosci/akt.diagnoza.pdf




Rankings

Shanghai-Ranking

Im Shanghai-Ranking 2009 werden die Jagiellonen-Universität Krakau und die Universität Warschau als die besten polnischen Hochschulen aufgeführt (Platz: 303-401). Auch in den nationalen Rankings belegen die beiden Hochschulen Spitzenplätze. Das bekannteste polnische Hochschulranking ist das Perspektywy-Ranking, das von der 1998 gegründeten Perspektywy-Stiftung und der Tageszeitung Rzeczpospolita einmal im Jahr veröffentlicht wird. In methodischer Hinsicht handelt es sich bei dem Perspektywy-Ranking um eine Mischung aus dem Shanghai- und dem CHE-Ranking. Bewertet werden ganze Hochschulen unter den Gesichtspunkten Forschungsleistung (40%), Prestige (30%), Studienbedingungen (15%) und Grad der Internationalisierung (15%).

Mehr Informationen unter: www.perspektywy.org



Ergebnisse des Perspektywy-Rankings 2009

Im Perspektywy-Ranking 2009 wurden folgende Hochschulen als die zehn besten polnischen Hochschulen ermittelt:

  1. Jagiellonen-Universität Krakau
  2. Universität Warschau
  3. Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań/Posen
  4. Technische Universität Warschau
  5. Bergbau- und Hüttenakademie in Krakau
  6. Technische Universität Wrocław/Breslau
  7. Universität Wrocław/Breslau
  8. Wirtschaftsuniversität Warschau
  9. Medizinische Universität Poznań/Posen
  10. Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń/Thorn

 Zu den besten medizinischen Einrichtungen in Polen zählen laut Perspektywy-Ranking das Collegium Medicum in Krakau, die Medizinische Universität in Poznań/Posen und die Medizinische Akademie in Wrocław/Breslau.

Mehr Informationen unter: www.perspektywy.org




Kooperationen mit deutschen Hochschulen

Im März 2010 waren im Hochschulkompass der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 878 deutsch-polnische Kooperationen verzeichnet. Eine Reihe dieser Kooperationen werden vom DAAD im Rahmen folgender Programme gefördert: Ostpartnerschaftsprogramm, Germanistische Institutspartnerschaften, Schulen des deutschen Rechts, deutschsprachiger Studiengang in Wirtschaftswissenschaften der Universität Mainz an der Wirtschaftsuniversität Warschau, deutsch-polnische Studiengänge mit Doppeldiplom.

Mehr Informationen unter: www.hochschulkompass.de




Links

www.nauka.gov.pl
Homepage des MNiSW (Pl/En)

www.studyinpoland.pl
Informationsportal für ausländische Studierende (En)

www.perspektywy.org
Homepage der Bildungsstiftung Perspektywy (En)

www.buwiwm.edu.pl
Homepage des Büros für Äquivalenz und internationalen Austausch (Pl/En)

www.pka.edu.pl
Homepage des staatlichen Akkreditierungskommitees (Pl/En)

www.kooperation-international.de
Portal für internationale Kooperationen des BMBF (Dt)

http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice
Portal von Eurydice – Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa (En)